Wasserchemie

Unsere Meerwassertiere habe sich über viele Millionen Jahre an das Meerwasser angepasst, starke Abweichungen oder schnelle Schwankungen vertragen sie nicht, darum sollte jeder ein paar grundlegende Kenntnisse über die Wasserparameter haben.
Frisch angemachtes Meerwasser sollte nie verwendet werden, es ist sehr aggressive und könnte unsere empfindlichen Tiere schädigen!

Optimale Parameter:

Temperatur 25°C
Dichte 1,022-1,023
Nitrit 0
Ammonium 0
Nitrat 1-10 mg/l
Phosphat kleiner 0,1 mg/l
Calcium 400-420 mg/l
Magnesium 1300-1400mg/l
Karbonathärte 7-9
PH-Wert 8,1-8,4

Leichte Abweichungen von den genannten Werten werden toleriert, sind aber auf Dauer schädlich für die Tiere!

Temperatur:

Gerade in den Sommermonaten kommt es in Aquarien mit Abdeckung schnell mal dazu, das die Temperatur über den kritischen Wert von 28°C steigt. Einfache Abhilfe schafft hier schon die Abdeckung zu entfernen und einen kleinen Lüfter, der auf die Wasseroberfläche gerichtet ist, zu installieren.
Bei langanhaltend hohen Temperaturen sinkt der Sauerstoffgehalt im Wasser, die gesamten biologischen Prozesse kommen durcheinander und können nicht aufrecht erhalten werden. In der Natur kommt so etwas auch vor, viele Korallen entlassen dann ihre Zooxanthellen und man spricht von der Korallenbleiche (Coral Bleaching). Leider sterben die Korallen meist, manche die nicht so stark geschädigt sind, schaffen es auch wieder neue Zooxanthellen einzulagern.

Dichte:

Hier ist es wohl nicht sehr schwer einen optimalen Wert einzustellen. Das verdunstete Wasser sollte täglich mit Osmose- oder destilliertes Wasser nachdosiert werden. 

Nitrit / Ammonium / Ammoniak:

Diese Werte sollten eigentlich nur in der Anfangszeit, wenn das Becken eingefahren wird, messbar sein. Bei funktionierender Beckenbiologie werden diese Substanzen sehr schnell in Nitrat umgewandelt.

Nitrat:

Nitrat wird von vielen Aquarianern möglichst auf Null gehalten, zum Glück funktioniert das sehr selten. Die Testreagenzien die wir im Hobbybereich verwenden sind gerade im unteren Bereich nicht so genau. Auch wenn unser Test null zeigt, ist immer noch genügend Nitrat vorhanden, es ist halt nur nicht nachweispar. Man bedenke, das der im Nitrat enthaltene Stickstoff lebensnotwendig ist.
Eine ganze Kette von unterschiedlichen Bakterien wandelt Stoffwechselprodukte, Futterreste oder Abgestorbenes in Ammonium, Ammoniak Nitrit und abschließend in Nitrat um. Diese Kette sollte in jedem Aquarium funktionieren, denn die Vorstufen unseres Nitrates sind für unsere Pfleglinge giftig.
Die Nitratkonzentration sollten je nach Korallenbesatz, bei Steinkorallen 1-10 mg/l und bei Weichkorallen kann es schon etwas höher liegen.
Es gibt mehrere Möglichkeiten den Wert niedrig zu halten.
Der Abschäumer ist eine hervorragende technische Möglichkeit schon die Vorstufen, also viele organische Stoffe, aus dem Wasser zu entfernen.
Pflanzen, Algen, Bakterien und auch unsere Korallen nehmen Nitrat auf (Assimilation). Bei einem vernünftigen Fischbesatz, vielen Algen und Korallen sollte es also auch nicht zu einer erhöhten Belastung kommen.
Viele Bakterien sind in sauerstoffarmen Bereichen in der Lage Nitrat zu veratmen (Denitrifikation). In unseren lebenden Steinen finden wir viele dieser Bakterien, sie verarbeiten Nitrat zu molekularen Stickstoff, er ist gasförmig und entweicht aus dem Wasser.

Phosphat:

Auch hier spielt die Konzentration eine Rolle, Phosphat enthält Phosphor und das ist lebensnotwendig, übersteigt der Wert einen bestimmten Grenzwert, so wird es giftig und unsere Tiere kümmern oder sterben sogar. Eine Denitrifikation, wie bei Nitrat gibt es leider nicht, das Phosphat kann nur gebunden werden. Es kann von Tieren zu Biomasse umgewandelt werden (Assimilation) oder durch Absorber aufgenommen werden. Auch die Verwendung von Kalkwasser (Calciumhydroxid) senkt den Phosphatgehalt, doch kommt es hier zu einer Ausfällung, es entsteht Calciumphosphat. Dieses Material ist nicht mehr wasserlöslich und setzt sich ab, es ist somit nicht mehr für die Algen und Korallen verwertbar. Wer diese Methode zur Phosphatsenkung einsetzt, sollte sich aber im Klaren sein, dass er hier ein Depot schafft. Es gibt ein paar Bakterien die in der Lage sind, sich diesen Stoff wieder nutzbar zu machen. Bei günstigen Bedingungen können sich Cyanopakterien explosionsartig vermehren und haben sie einmal Fuß gefasst, so ist es schwer sie wieder loszuwerden.

Calcium:

Calcium wird im Aquarium verbraucht, es muss regelmäßig nachdosiert werden, z.B. mit der Ballingmethode oder mit einem Kalkreaktor. Gerade in Becken mit vielen Steinkorallen ist diese Dosierung lebenswichtig und der Wert muss im optimalen Bereich gehalten werden.

Magnesium:

Das Magnesium wir nicht ganz so schnell verbraucht, hier reicht es regelmäßig zu kontrollieren und gegebenenfalls auszugleichen. Viele Hersteller bieten dazu fertige Produkte an. Ich erhöhe meine Werte mit Magnesiumchlorid-Hexahydrat und Magnesiumsulfat-Heptahydrat.

Karbonat Härte:

Hier verhält es sich genauso wie beim Calcium, es muss täglich nachdosiert werden, Balling oder Kalkreaktor. In Steinkorallenbecken sind Werte zwischen 7-9 ein absolutes muss !!!

pH-Wert:

Der pH-Wert ist ein Maß für die Stärke der saure bzw. basischen Wirkung einer wässrigen Lösung.
pH < 7 entspricht einer Lösung mit saurer Wirkung
pH = 7 entspricht einer neutralen Lösung
pH > 7 entspricht einer alkalischen Lösung (basische Wirkung)
Im Aquarium kommt es zu einer natürlichen Schwankung. Morgens ist der Wert oft niedriger als abends, dafür verantwortlich ist der CO2-Gehalt. Der in der Nacht gestiegene Kohlendioxidgehalt wird am Tage durch Algen in Sauerstoff umgewandelt und somit sinkt der Säuregehalt und pH steigt.